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Der Sternenhimmel im April / Mai / Juni 2024

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>> Sonnensturm trifft die Erde - Polarlichter über Halver <<

Ein gewaltiger koronaler Massenauswurf der Sonne traf am 11. Mai mit seinem Hauptfeld um
6:54 pm EDT / 0:54 MESZ auf das Magnetfeld unserer Erde und führte in der Folge zu einem grandiosen Lichtspektakel am Nachthimmel.  Der Ursprung des gigantischen geomagnetischen Sturms war der im bevorstehenden maximalen Sonnenzyklus entstandene riesige Sonnenfleck AR 3664 mit 
17fachen Erddurchmesser..!!, der am 9. Mai in 3 Wellen seine erruptiven Ausbrüche (Flares) Richtung Erde schickte. Der Sonnensturm der Klasse G5 (extrem) gehörte zu den stärksten jemals gemessenen Ereignissen die auf unser Magnetfeld aufprallten. 

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An den ungewöhnlichsten Orten der Erde konnten die Menschen in den Nächten zum 11. und 12. Mai spektakuläre Polarlichter oftmals - und wie ich erstmals!! - mit bloßem Auge sehen. Die Aurora Borealis, wie das Polarlicht genannt wird, welches sonst vorzugsweise in den Polarregionen zu sehen ist konnte diesmal bis in den Süden Europas gesichtet werden. Beobachtungsmeldungen gingen sogar bis nahe des Äquators ein.  Siehe NOAA Register Space Weather Prediction Center und Deusches Polarlicht Archiv  
Eigentlich treten in unseren mittleren Breitengraden Polarlichter eher selten in Erscheinung, und wenn, dann sind sie meist auch nur auf farb- und lichtempfindlichen Sensoren unserer Kameras zu sehen. Das Farbspektrum der Polarlichter ist zudem bei uns eher in Gelb- und Rottönen in nördlicher Himmelsrichtung zu finden, da dort in ca. 200 km Höhe die Sauerstoffatome ionisieren, die wir dann wegen der Erdkrümmung so grade noch sehen können.


Doch in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai war alles anders....

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Als ich um kurz vor Mitternacht in unseren Garten ging um meine Astrokamera auf die M51 Whirlpool Galaxy auszurichten, ärgerte ich mich zunächst über den vermeintlich wieder milchig diesigen Himmel, wunderte mich aber über die hellen weißen Streifenmuster. Als ich dann über unser Hausdach blickte traute ich meinen Augen kaum, ...eine helles rosarotes Leuchten im Südosten über der Stadt...
Nach einem kurzen Update mit meinen Astrofreunden begab ich mich sogleich zu Fuß mit Stativ und Handykamera abseits der Stadtlichter auf den nahgelegenen Gesenberg bei freier Rundumsicht.  Hier tanzten die Polarlichter nicht nur im Norden, sondern   360 ° mit einem starken Farbspektrum im Osten und Westen.  Auf den Aufnahmen seht ihr wie neben der roten Aurora auch grünes Licht durch hohe Emissionen von Sauerstoff in rund 80 km Höhe zu sehen sind.   Die bläuliche und violette Aurora wird durch Stickstoffatome verursacht.   
Auf unserem Weg durch die Nacht hatten wir Astrofreunde zahlreiche Begegnungen mit interessierten Nachtschwärmern, die alle mit ihren Handy mehr oder weniger erfolgreich die Polarlichter ablichteten. Natürlich gaben wir hier auf Nachfrage gerne einige Tipps mit auf den Weg, damit jeder dieses besondere Erlebnis auch fotografisch festhalten konnte. Als gegen 2:00 Uhr die bunten Polarlichter langsam für das bloße Auge verblassten, ging es wieder auf den Heimweg. Fotografisch konnte die Aurora allerdings noch weiterhin bis zur Mitte der weiteren Nacht sichtbar gemacht werden.

Für die hier abgelichteten Polarlichter verwendete ich:

 

Smartphonekamera - Samsung Galaxy mit Androidsystem, welches eine manuelle Belichtungseinstellung ermöglicht (was bei den IPhones,  IOS Betriebssystem wohl leider nicht so funktioniert...)

>> manuelles fokussieren an hellen Sternen,

     oder Stadtlichtern

>> Belichtungszeit 10 Sek

>> ISO Wert 800

>> Blende f/1.8

>> Brennweite 24mm - auf Kleinbild  umgerechnet 

um Verwacklung bei 10 Sekunden Belichtungszeit zu vermeiden, verwende ein Stativ oder stelle das Handy / Kamera auf's Autodach oder ähnliches... 

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Die M51 Whirlpool-Galaxy
Im ersten Maidrittel etablierte sich in der Großwetterlage endlich mal ein Hochdruckgebiet und lenkte die Regenwolken um uns herum. In den klaren Nächten des 9., 12. und 15 Mai nutzte ich die Gelegenheit und arbeitete mich in meiner kleinen "Gartensternwarte" an der M51 Strudel-Galaxie ab, besser bekannt unter dem englischen Namen Whirlpool-Galaxy...
Insgesamt 376 Minuten Belichtungszeit kamen zusammen und brachten in einer aufwendigen Nacharbeit diese schönen Strukturen der Spriralarme zu Vorschein, die optisch tatsächlich wie ein in sich verwirbelnder Strudel daherkommen. Das von Charles Messier im Jahre 1774 entdeckte und im berühmten Messier-Katalog eingetragene Objekt besteht tatsächlich aus zwei Galaxien, der Hauptgalaxie NGC 5194 und ihren kleineren Begleiter NGC 5195. Die Hauptgalaxie steht in 30,7 Millionen Lichtjahren Entfernung und ihr Winkeldurchmesser von 11,2' x 6,9' ergibt einen projizierten Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Das ist die typische Größe für Spiralsysteme und damit ist diese Galaxie nur etwas kleiner als unsere Milchstraße. Am nordöstlichen Ende sieht man den Begleiter NGC 5195, die 4,8' Bogenminuten vom Zentrum von M51 steht und nur ein Drittel deren Masse besitzt.
Weitere intersessante Detaills zur Geschichte dieser sich gegenseitig beeinflussenden Galaxienpaares gibt es demnächst in meinen Sternengeschichten zu lesen...

Quellenverzeichnis:

Bildatlas der Galaxien - Die Astrophysik hinter den Astrofotografien , König+Binnewies Kosmos Verlag + Occulum

Messier-Katalog in der Ausgabe "Connoissance des Temps" aus dem Jahr 1780 - Sonderdruck "astronomie Das Magazin"

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Aufnahmedaten:

Montierung - Skywatcher EQ-AL55i Pro

Refraktor - Apo CF 70/420mm

Leitrohr - 50/180mm mit ASI120MM Autoguider

Kamera - DSLR Nikon D5300

>> Lights 47 x 240 sek., 1600 ISO

>> Lights 94 x 120 sek., 3200 ISO

>> Darks 43 x 240 sek.

Gestackt mit Sequator

Bildbearbeitung - Corel PaintShop Pro

Das kleine längliche Objekt am unteren linken Bildrand ist übrigens die Galaxie

IC 4263, eine Balkenspirale mit einer scheinbaren Helligkeit von nur 15,2 mag. Sie ist rund 125 Millionen Lichtjahre von unserer Milchstraße entfernt.

 

Hier liegt auch nahezu der Grenzbereich meiner bisherigen optischen Aufnahmemöglichkeiten 

Der Flug des Kometen  12P/Pons-Brooks.
Letzte Meldung am 2. April von Oculum: "der Komet ist freisichtig - bei ca 4,1 bis 3,7mag...!!"
Um eins vorweg zu nehmen - wir Astrofreunde haben ihn mit bloßem Auge zu keinem Zeitpunkt gesehen und die tatsächliche Helligkeitsentwicklung war Ende März eher rückläufig und blieb hinter den Prognosen zurück...

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Diese Aufnahme entstand am 18. März von einer Anhöhe bei Hefendehl mit Blick nach WNW. Der Komet stand hier zwischen den Galaxien M31 zur rechten und M33 zur linken Seite. Der hellste Stern im Bild - mittig über dem Ziehweg ist mit 2,07 mag der veränderliche Doppelstern Mirach im Sternbild Andromeda. 

>> klick ins Bild mit Link zu den Aufnahmedaten von SuW

Insgesamt waren die Beobachtungsbedingungen für diesen Kometen in den letzten Wochen mehr als Bescheiden.  Mehrere Anläufe den Kometen abzulichten wurden von pünklich zur Abendämmerung hereinziehenden Wolken verhindert oder verblassten im Saharastaub...

Kurz vor dem Perihel und eine der letzten Möglichkeiten den Kometen noch zu sehen hatten wir endlich das Glück auf unserer Seite 🍀🌠🔭💖.

Wir,  das sind die "Astofreunde - Oben an der Volme" die sich jeden Mittwoch in Halver treffen, über astronomische Themen sprechen und und praktische Astrofotografie betreiben.

Programm Info's siehe unter der Seite >>  Astrofreunde.

Das Highlight am 10. April 2024 auf das sich aller Augen richtete:

Der 2 Tage alte Mond mit dünner Mondsichel und Erdlicht, die Planeten Jupiter und Uranus, der Komet 12P...

20240410_213208_CPSP1.jpg

Blick auf die 3 Hauptakteure:

* Im Dreieck oben Mond

* links Jupiter

* der Komet im Sucher-Lichtpunkt

 

 

Aufnahmen mit APO CF 70/420

an Nikon D5300  + Korrektor 0,8x

jeweils auf 42'x42' Bogenminuten gecroppt 

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Jupiter und 4 Monde
Komet 12P/Pons-Brooks am 10. April 20244.jpg

Aufnahmezeit: 19:28 UT                             19:28 UT                                                     19:46 - 19:57 UT

Belichtung: 1 x 2 sek., ISO 800                   1 x 2 sek., ISO 800                                     32 x 13 sek. ISO 800 - 1000 

...und als Zugabe noch dazu  -  ein großer Feuerball der unserem Astrofreund Herbert durchs Bild fiel 📷☄️😱

Bei der AMS wurden mehr als 460 Sichtungsmeldungen erfasst unter dem event #1843-2024

Die AMS American Meteor Society unterhält ein

"Feuerball Sichtungs Formular" das entweder direkt dort eingelesen werden kann, oder auch in Deutschland von diversen Organisationen auf deren Websites abgerufen werden kann.

z.B. Münchener Sternwarte oder der VdS Fachgruppe 

Arbeitskreis Meteore AKM e.V. meteoros.de

Feuerball

Alle Info-Grafiken und Beobachtungsdaten auf diesen Seiten sind zusammengestellt mit Hilfe der VdS, SuWStellarium, TheSkyLivetimeanddate, OculumKosmos und starwalk.space

Himmelsjahr_Screenshot (1208).jpg

Mehr Info's zu den Himmmelsereignissen im Jahreslauf könnt ihr im Kosmos Himmelsjahr nachlesen.

22,00 € in der Printausgabe >> click auf's Bild

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SuW_02_2024_.webp

Aufnahmen des Kometen bei seinem Flug zur Sonne

Komet am 28. Januar / Bildwinkel 1,5°x2,0°
Komet am 12. Februar / Bildwinkel 1,5°x2,0°
Komet Komet am 27. Februar / Bildwinkel 1,5°x2,0°
Komet am 3. März / Bildwinkel 1,5°x2,0°
Die Bilder können über die Kometen Datenbank der VdS eingesehen werden  - jeweils mit click auf das Datum
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